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Petra Weber

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Heute haben in vielen Ländern der Erde Menschen an die Befreiung der Insassen von Auschwitz gedacht. Ich habe an dem Tag der Gedenkveranstaltung der Schülerinnen und Schüler der Hellweg Realschule im Ratssaal der Stadt Unna beigewohnt.

 

Wer nicht, wie in einem Videoclip zu sehen war, die Massenvernichtung von Millionen Menschen leugnet, wie es ein NPD Mitglied in dem Video behauptete, den haben die Bilder von der Deportation, den Lagerinsassen, nicht unberührt gelassen und viele Besucher der Veranstaltung haben sich gefragt: „Wie war das möglich?“

Die Schülerinnen und Schüler der Hellweg Realschule habe dies eindrucksvoll veranschaulicht.

Schleichend, über Jahre hinweg wurde eine „Entmenschlichungsmaschinerie“ in Gang gesetzt, die zum Alltag der gesamten Bevölkerung wurde. Fast täglich wurden negativ Schlagzeilen gegen „Die Juden“ veröffentlicht, fortwährend wurden immer härtere Gesetze gegen Juden erlassen.

Das Tragen des Sterns, das Verbot der Ehe mit einem Juden, die Enteignung bis zum Führerscheinentzug, die anschließende Deportation.

Wir fragen uns wie das geschehen konnte und die Antwort liegt nicht im Desinteresse. Damit wird eine „Mitschuld“ und somit eine „Ohnmacht“ erzeugt. Man verhält sich nachweislich erst mal zurückhaltender und ist verunsichert, wenn man glaubt Fehler gemacht zu haben. Der große Fehler aber ist, dass man die Gefahr der systematischen und permanenten Meinungsmache der man als Leser bestimmter „Medien“ ausgesetzt ist und irgendwann davor kapituliert. Das gilt besonders für eine einseitige Berichterstattung.

Wir haben eine freie Presse. Wir leben in einer Demokratie, die zwar immer mehr durch den Kapitalismus entkräftet wird, wir haben dennoch die beste Form menschlichen Zusammenlebens, wenn man die Verfassung zum Beispiel des Landes Nord-Rhein Westfalens ernst nimmt, oder das Grundgesetz..

Dieses – bis auf wenige Ausnahmen – spiegelt die Presse wieder. Es gehört unabdingbar zu einer guten Presse dazu, Nachrichten zu verbreiten die nicht einseitig sind

Der Bürgermeister hat heute die richtigen Worte gefunden, als es darum ging das dieser Gedenktag, der 27. Januar und die Befreiung der wenigen Überlebenden in Auschwitz ein Gedenktag bleiben muss. Nicht aus einem „Schuldgefühl“ heraus. Nach 72 Jahren, die seit der Befreiung des Lagers vergangen sind, leben kaum noch Opfer und Täter. Diesen Gedenktag am Leben zu erhalten ist der Aufgabe geschuldet, dass sich menschliches Leid so nie wieder wiederholt. Und wir uns den Anfängen wehren. Das ist es, was ich aus der heutigen Veranstaltung mitgenommen habe. Menschliches Leid zu sehen und nicht den „Apparat“. Dem trau ich nicht, diesem Apparat. Der so oft ein Selbstzweck ist und wider besseren Wissens einfach so weitermacht:

Das betrifft sämtliche Bereiche der Gesellschaft. Das Gesundheitswesen, in dem der Mensch zu einer Fallpauschale geworden ist, Schauen wir auf die Finanzierung öffentlicher Einrichtungen, die immer noch mittelalterlich ein „Aufbrauchen der Budgets“ beinhalten und zu Engpässen aber auch zu unsinnigen Ausgaben führt, da das Budget für das kommende Jahr in Abhängigkeit zum Haushaltsjahr steht und keine Übertragung, Ansparung für notwendige Maßnahmen möglich ist. Die Gutachten der Gutachten, statt auf dem Urteilsvermögen der Menschen der Stadt zu vertrauen, dem Schüppchenspiel bei der Vergabe von Fördergeldern – wer holt sich was aus dem Topf – und wenn es noch so unsinnig ist.

Die Gedenkfeier hat mich mehr als nachdenklich gemacht.

Auschwitz war unbeschreiblich und alles sträubt sich in mir, dass sich so etwas wiederholen kann.

Allein ich bin nicht sicher.

Zum Schluß sei noch gesagt, dass ich in der Gedenkveranstaltung an die vielen Menschen gedacht habe, die jetzt fliehen aus einem unmenschlichen Krieg, aus einer unbeschreiblichen Armut. Wie sieht es die Generation 20, 50, 70 Jahre nach 2017? Gibt es dann auch einen Feierstunde für die unzähligen Menschen die auf dem Meer, vor den Grenzen, vor der Abschottung gestorben sind?

Es ist doch so, dass damals – wie heute – international keine Anstrengungen unternommen werden humanitär zu wirken. Ertrunkene Flüchtlinge – eine Fußnote. Vergewaltigung – eine ganze Seite.

Wir verschärfen – und diesen Vergleich ziehe ich an dieser Stelle – tagtäglich die Auflagen für Asylbewerber, wir schieben ab in Gebiete wie Afghanistan, die für die Menschen den sicheren Tod bedeuten. Und wir verdienen noch daran.

Soviel zum Gedenktag.